Die motorische Entwicklung beginnt schon sehr früh: Bereits im Mutterleib bewegen Babys ihre Arme und Beine. Nach der Geburt werden aus ersten Reflexen nach und nach gezielte Bewegungen. So lernen Kinder Schritt für Schritt, ihren Körper besser zu kontrollieren und wichtige Bewegungsabläufe für den Alltag zu meistern.
In unserem Ratgeber erfährst du, wie die motorische Entwicklung bei Babys und Kindern abläuft und welche Meilensteine es gibt. Außerdem geben wir dir Tipps, wie du die Entwicklung der Motorik deines Kindes liebevoll unterstützen kannst.
Was ist die motorische Entwicklung?
Unter motorischer Entwicklung versteht man den Prozess, bei dem Kinder nach und nach lernen, ihre Bewegungen gezielt zu steuern und immer besser zu koordinieren.
In den ersten beiden Lebensjahren gleicht die Entwicklung eines Babys einer kleinen Wunderreise: Vom ersten vorsichtigen Kopfheben über Rollen und Krabbeln bis hin zu den ersten wackeligen Schritten und dem neugierigen Entdecken von Spielzeug – all das passiert oft in erstaunlich kurzer Zeit.
Noch im Mutterleib beginnen Babys damit, sich zu bewegen. Nach der Geburt sind ihre Bewegungen zunächst noch nicht gezielt. Überlebenswichtige Reflexe wie der Such-, Saug- oder Moro-Reflex prägen die ersten Wochen und Monate.
Mit jedem Entwicklungsschritt werden Babys sicherer: Bewegungen werden bewusster, koordinierter und Kinder erkunden ihre Umgebung immer neugieriger. Besonders die Hände stehen in den ersten Lebensmonaten im Mittelpunkt. Sie greifen, tasten und erkunden alles, was erreichbar ist.
Zwei wichtige Bereiche der motorischen Entwicklung
Bei der Entwicklung der Motorik von Babys und Kleinkindern unterscheidet man zwei Bereiche: die Grobmotorik und die Feinmotorik.
Zur Grobmotorik gehören alle Bewegungen, bei denen der ganze Körper eingesetzt wird. Dabei arbeiten vor allem die großen Muskeln zusammen. Diese Fähigkeiten braucht dein Kind zum Beispiel, um den Kopf zu heben, sich zu drehen, zu sitzen, zu krabbeln oder sich später aufzurichten.
Die Feinmotorik umfasst dagegen kleine, gezielte Bewegungen, vor allem mit Händen und Fingern. Schon früh beginnen Babys damit, nach Dingen zu greifen und sie wieder loszulassen. Mit der Zeit werden diese Bewegungen immer genauer. Das ist wichtig, wenn dein Kind später etwa mit Bauklötzen spielt, einen Löffel hält oder erste Bilder malt.
Diese Bewegungen lernt und übt dein Kind
Wichtige motorische Fähigkeiten, die ein Kind in den ersten Lebensjahren lernt, übt und verbessert, sind z. B.
- Körperkontrolle: Halten des Kopfes, Rollen auf den Bauch, Aufrichten, Sitzen lernen
- Lokomotorische Fähigkeiten: Krabbeln, Robben, Laufen
- Sportliche Motorik: Rennen, Treppensteigen, Klettern, Springen, Fangen, Werfen
- Hand-Mund-Koordination: Greifen, Halten, Loslassen, Gegenstände zum Mund führen, Essen
- Beweglichkeit von Händen und Fingern: Pinzettengriff, Werkzeuge nutzen, Zeichnen und Malen
Motorik Entwicklung des Kindes nach Alter
Jedes Kind entwickelt motorische Fähigkeiten in seinem eigenen Tempo. Dennoch gibt es typische Entwicklungsschritte, die dir als Orientierung dienen können. Die folgende Infografik zeigt, welche motorischen Meilensteine in den einzelnen Entwicklungsphasen typisch sind:
Nach der Geburt
Direkt nach der Geburt wird die Motorik eines Babys noch stark von angeborenen Reflexen bestimmt. Dazu gehören zum Beispiel das Greifen oder Saugen. Gleichzeitig beginnt dein Baby schon, erste Muskeln zu trainieren. In den ersten Wochen kann es den Kopf für kurze Zeit leicht anheben, besonders in der Bauchlage. Diese ersten Bewegungen bilden die Grundlage für die weitere motorische Entwicklung.
Ab ca. 3. – 6. Monat
In diesem Alter wird dein Baby schon etwas beweglicher. Es kann den Kopf in der Bauchlage immer besser halten und gewinnt mehr Kontrolle über seinen Körper. Viele Babys beginnen nun auch, sich selbstständig von der Rückenlage auf die Bauchlage zu drehen. Dadurch entdecken sie ihre Umgebung aus einer neuen Perspektive und trainieren wichtige Muskelgruppen.
Ab ca. 5. – 7. Monat
Jetzt werden die Bewegungen deines Babys kräftiger und koordinierter. Die Kopfkontrolle ist meist schon gut entwickelt, und viele Babys drehen sich sicher von der Rückenlage auf den Bauch und zurück. Außerdem greifen sie gezielter nach Spielzeug und beschäftigen sich immer aktiver mit ihrer Umgebung. So entwickelt sich die Motorik des Babys Schritt für Schritt weiter.
Ab ca. 6. – 8. Monat
In dieser Phase lernen viele Babys, frei zu sitzen und sich selbstständig fortzubewegen, zum Beispiel durch Krabbeln oder Robben. Auch die Feinmotorik macht große Fortschritte: typisch ist jetzt der Pinzetten- und später der Scherengriff, bei dem kleine Dinge zwischen Fingern aufgenommen werden.
Ab ca. 12. Monat
Rund um den ersten Geburtstag werden viele Kinder noch mobiler. Sie ziehen sich an Möbeln oder anderen Gegenständen hoch, stehen mit Unterstützung und machen erste Seitenschritte. Manche Kinder wagen in dieser Zeit auch schon ihre ersten freien Schritte. Jedes Kind hat dabei sein eigenes Tempo.
Ab ca. 12. – 18. Monat
In diesem Alter werden Bewegungen sicherer und selbstständiger. Viele Kinder können sich frei hinhocken und wieder aufrichten, ohne sich festzuhalten. Sie heben Gegenstände auf, stapeln erste Bausteine und probieren aus, wie sich Dinge schieben, ziehen oder drücken lassen. So verbessern sich Gleichgewicht, Kraft und Koordination weiter.
Ab ca. 3 Jahren
Mit etwa drei Jahren werden auch feinmotorische Fähigkeiten immer genauer. Viele Kinder beginnen jetzt, einen Stift gezielt zu führen und einfache Linien oder Formen zu malen. Auch erste Schneideversuche mit einer Kinderschere sowie Basteln sind in diesem Alter typisch. Diese Fähigkeiten sind wichtige Vorstufen für das spätere Schreibenlernen.
Jedes Kind findet seinen eigenen Weg
Kinder entwickeln ihre Motorik nicht nach einem festen Plan – und auch nicht immer in der typischen Reihenfolge. Während manche Babys über Krabbeln, Robben oder Kriechen zum freien Laufen kommen, überspringen andere einzelne Schritte ganz. Einige entdecken sogar ihre ganz eigene Art, sich fortzubewegen, etwa durch Rutschen, Rollen oder Schlängeln.
Auch das Tempo der Entwicklung ist sehr unterschiedlich. Manche Kinder sitzen oder stehen schon früh, andere brauchen dafür mehr Zeit. Außerdem verlaufen Entwicklungsschritte nicht bei allen gleich: Während einige Kinder neue Bewegungen nach und nach erlernen, machen andere in kurzer Zeit mehrere große Fortschritte auf einmal. Beides kann völlig normal sein.
Gut zu wissen: Wenn dein Kind gerade eine neue Fähigkeit lernt (z. B. Gehen), kann es sein, dass andere Entwicklungsbereiche (z. B. Sprechen, Handkoordination) erstmal in den Hintergrund geraten. Doch keine Sorge: Sobald die neue Bewegung sicher klappt, wird das Kind das “Versäumte” in der Regel ganz schnell wieder aufholen.
Die ersten freien Schritte: Wann Kinder laufen lernen
Der Zeitpunkt, an dem Kinder frei laufen, kann sehr unterschiedlich sein. Manche machen ihre ersten Schritte schon mit etwa zehn Monaten, andere erst deutlich später. Beides kann völlig normal sein. In der Regel lernen Kinder bis etwa zum 20. Lebensmonat, frei und sicher zu gehen.
So erlernt dein Kind das freie Gehen:
- Im Alter zwischen 12 und 15 Monaten lernen die meisten Kinder, sich an Stühlen, Tischbeinen und anderen Möbelstücken hochzuziehen und aufzurichten.
- Sobald sich dein Kind auf zwei Beinen einigermaßen sicher fühlt, beginnt es, Seitschritte zu machen und sich an den Möbeln entlangzubewegen.
- Wenn diese Bewegung immer besser funktioniert, folgen die ersten freien Schritte.
Mit den ersten freien Schritten eröffnet sich für dein Kind eine ganz neue Welt. Es probiert vieles aus: hin und her gehen, um den Tisch laufen, sich schneller oder langsamer bewegen oder verschiedene Untergründe – z. B. Teppich, Gras oder Sand – ausprobieren. Auch kleine Hindernisse wie eine Türschwelle oder kleine Stufen werden getestet. Dabei geht es nicht um ein Ziel. Die Bewegung und das Üben selbst sind wichtig.
Vom Gehen zum Rennen, Klettern und Springen
Sobald dein Kind sicher laufen kann, wird die Welt draußen immer spannender. Ob auf dem Spielplatz, im Park, im Wald oder auf einer Wiese – überall entdeckt es neue Möglichkeiten, sich zu bewegen. Es lernt zum Beispiel:
- vorwärts und rückwärts zu laufen,
- sich zu drehen,
- zu klettern und zu springen,
- über kleine Hindernisse wie Pfützen zu hüpfen,
- Treppen zu steigen,
- das Gleichgewicht zu halten,
- mit Fahrzeugen wie Dreirad, Laufrad oder Roller zu fahren.
Eltern können ihrem Kind Bewegungen wie Krabbeln, Sitzen, Laufen oder Springen nicht direkt beibringen. Was sie aber tun können: ihr Kind dabei begleiten und ermutigen, sich selbst auszuprobieren. Wichtig ist eine Umgebung, die es dem Kind möglich macht, sich viel zu bewegen und zum Entdecken einlädt. So lernt das Kind nach und nach, seinen Körper besser zu kontrollieren und entwickelt Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Unser Tipp:
Sorge dafür, dass dein Kind jeden Tag die Möglichkeit hat, aktiv zu sein – zu spielen, zu rennen, zu klettern und sich richtig auszutoben. Gerade für kleine Kinder ist es wertvoll, wenn sie klettern, balancieren und neue Bewegungen ausprobieren können. So entwickeln sie nach und nach mehr Geschicklichkeit, Gleichgewicht und Sicherheit in ihren Bewegungen.
Kleine Missgeschicke gehören dabei manchmal dazu. So schwer es manchmal auch ist: Lass dein Kind vieles selbst ausprobieren und bleibe in der Nähe, wenn es Unterstützung braucht
So kannst du die motorische Entwicklung deines Kindes fördern
Kinder erlernen ihre motorischen Fähigkeiten vor allem durch eigenes Ausprobieren. Je mehr Möglichkeiten sie haben, ihren Körper einzusetzen, desto sicherer und geschickter werden sie.
- Raum für Bewegung schaffen
- Kind ermuntern, neue Erfahrungen zu machen
- Passendes Motorikspielzeug wählen
- Gefahrenpunkte entschärfen
- Gemeinsames Spielen – mit dir oder auch mit anderen Kindern
- Viel Zeit im Freien verbringen
- Geduldig sein und dem eigenen Tempo des Kindes vertrauen
- Erfolgserlebnisse ermöglichen und loben
- Abwechslung in den Alltag bringen (z. B. unterschiedliche Untergründe oder Spiele)
- Vorbild sein und selbst Freude an Bewegung zeigen
Grobmotorik gezielt fördern
Mit folgenden Spielen und Aktivitäten kannst du die Grobmotorik deines Kindes fördern:
- Fang- und Hüpfspiele
- Trampolinspringen
- Kriechtunnel
- Balancieren
- Treppen steigen
- Klettern
- Hampelmann
- Schwimmen
- Spiele mit Ball, Luftballon, Hüpfseil
Feinmotorik spielerisch fördern
Je nach Alter können folgende Spiele und Tätigkeiten die Feinmotorik fördern:
- Steckspiele und Puzzles
- Bauklötzchen
- Hämmerchenspiel
- Kneten
- Malen mit Stiften, Pinsel, Wachsmalkreiden oder Bodenkreide
- Fädelspiele mit Schnüren und Perlen
- Papier falten
- Mikado spielen
- Weben (mit dem Webrahmen)
- Fingerspiele
Entwicklung unterstützen mit Motorikspielzeug
Motorikspielzeug kann Kinder ab ca. 1 Jahr dabei unterstützen, ihre Bewegungsfähigkeiten spielerisch weiterzuentwickeln. Es lädt zum Greifen, Stapeln, Drehen oder Ziehen ein und fördert so ganz nebenbei Koordination, Kraft und Geschicklichkeit. Dabei geht es nicht darum, etwas „richtig“ zu machen, sondern darum, Neues auszuprobieren und eigene Lösungen zu finden.
Motorikspielzeug ist kein „Training“, das schnelle Ergebnisse liefern muss. Es ist vielmehr eine Einladung: ausprobieren, scheitern, noch einmal versuchen – und irgendwann klappt es. Genau diese Wiederholung ist der Schlüssel. Motorikspielzeug hilft deinem Baby dabei, seine Hände gezielter einzusetzen. Greifen, festhalten, drehen oder schieben sind kleine Handlungen, die für dein Kind große Entwicklungsschritte bedeuten. Anfangs erfolgen viele Bewegungen noch reflexartig, doch diese Reflexe werden nach und nach durch gezielte Bewegungen ersetzt.
Das Greifen nach einer Rassel klappt zunächst vielleicht noch nicht, doch durch ständiges Üben entwickeln sich die motorischen Fähigkeiten nach und nach weiter – und plötzlich gelingt es, die Rassel festzuhalten. Für kleine Entdecker ist das eine große Errungenschaft.
Wichtig ist, dass die Spielsachen zum Alter und zum Entwicklungsstand des Babys passen und genügend Freiraum für eigene Ideen lassen. Ob Bauklötze, Steckspiele oder einfache Balance-Elemente – sie alle bieten Anreize, aktiv zu werden und den eigenen Körper besser kennenzulernen.
Hier sind ein paar Beispiele für Motorikspielzeug für Babys und Kleinkinder aus unserem Shop:

Was, wenn die motorische Entwicklung verzögert ist?
Jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Die meisten Kinder durchlaufen ähnliche Schritte, aber nicht immer in der gleichen Reihenfolge. Manche Kinder lassen einzelne Entwicklungsschritte aus oder brauchen einfach etwas länger. Das ist oft ganz normal. Auch das Umfeld oder die persönlichen Stärken spielen eine Rolle. So lernen manche Kinder körperliche Bewegungen sehr schnell, während andere früher sprechen lernen.
Solltest du dir Gedanken machen, dass dein Kind sich nicht so entwickelt wie andere, dann sprich das am besten bei deinem Kinderarzt bzw. deiner Kinderärztin an.
Es gibt viele Möglichkeiten, die motorische Entwicklung des Kindes zu unterstützen. Am wichtigsten ist aber deine Unterstützung im Alltag: Gib deinem Kind Nähe, spiele gemeinsam und lass es auch mit anderen Kindern spielen. Das hilft nicht nur beim Erlernen einzelner motorischer Fähigkeiten, sondern stärkt auch die geistige und soziale Entwicklung.
FAQ: Motorische Entwicklung bei Kindern
Die motorische Entwicklung beschreibt, wie ein Kind lernt, seinen Körper zu bewegen und zu steuern. Dazu gehören grobe Bewegungen wie Krabbeln, Laufen oder Springen sowie feinere Fähigkeiten wie Greifen oder Malen. Sie entwickelt sich Schritt für Schritt und ist ein wichtiger Teil der gesamten Entwicklung.
Gib deinem Kind viel Raum und Zeit für Bewegung. Eine sichere Umgebung mit verschiedenen Möglichkeiten zum Spielen, Klettern und Entdecken ist ideal. Ermutige dein Baby, Neues auszuprobieren, ohne zu viel einzugreifen. So kann es eigene Erfahrungen sammeln.
Viele Babys beginnen zwischen dem 6. und 10. Monat zu krabbeln. Manche überspringen diese Phase auch oder bewegen sich anders fort, zum Beispiel robbend. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo, daher sind kleine Unterschiede ganz normal.
Die meisten Kinder machen ihre ersten Schritte zwischen dem 10. und 18. Monat. Anfangs sind sie noch unsicher, doch mit Übung werden sie schnell stabiler. Wichtig ist, dem Kind Zeit zu lassen und es nicht zu drängen.
Kinder entwickeln sich unterschiedlich schnell. Kleine Abweichungen sind meist kein Grund zur Sorge. Wenn du unsicher bist oder dir etwas auffällt, kannst du dir bei deiner Kinderärztin oder deinem Kinderarzt Rat einholen.
Sei geduldig und gib deinem Kind einen sicheren Raum, sich auszuprobieren. Ermutige dein Baby, sich zu bewegen und lobe Fortschritte. Spezielles Motorikspielzeug kann außerdem dabei helfen, Bewegungen wie Greifen, Drehen oder Stapeln zu unterstützen.